Konsens

„Als Gemeinschaft streben wir danach, Entscheidungen auf eine Art und Weise zu treffen, die es allen ermöglicht sich dabei möglichst maximal einzubringen und deren Ergebnisse von allen mitgetragen werden.“

Mit diesem Wert ist keine klar definierte Methode der  Entscheidungsfindung gemeint, sondern eine Qualität der Entscheidungsprozesse.

Es ist v.a. nicht gemeint, dass immer alle bei einer Entscheidung anwesend sein müssen und eine hundertprozentige Zustimmung erreicht werden muss. Dies kann ein Weg sein, um eine konsensuale Qualität der Entscheidung zu erreichen. Jedoch kann eine konsensuale Qualität der Entscheidung auch erreicht werden, indem ein durch die Basis alle Mitglieder mit einem gewissen Handlungsspielraum bezüglich bestimmter Themen ausgestattete Person eine Entscheidung für die Gemeinschaft ganz allein trifft. Indem ich als Einzelperson eine andere Person ermächtige für mich zu entscheiden, trage ich auch Verantwortung für die Entscheidung.

Ein konsensualer Entscheidungsprozess ist wesentlich durch 3 Qualitäten charakterisiert: 1. das individuelle Erleben von Entscheidungsmacht 2. das individuelle Erleben von Verantwortung bezüglich einer Entscheidung 3. die Bereitschaft die Entscheidung mitzutragen.

 

  1. Maximale individuelle Entscheidungsmacht

Diese Qualität besteht zum Einen darin, dass jede und jeder möglichst viele Macht hat, sich einzubringen und Entscheidungen in der Gemeinschaft mitzugestalten.

Dies bedeutet nicht, dass sich bei jedem Entscheidungsprozess alle Gemeinschaftsmitglieder beteiligen müssen. Dies würde die Effizienz und der Gestaltungsmacht des zum Handeln Motivierten sehr einschränken.

Im Gegenteil wird eher angestrebt, dass Individuen möglichst selbständig handeln können und sehr große Entscheidungssspielräume haben. Jedoch ist die Individuelle Macht von der Basis, die konsensual handelt und alle umfasst, delegiert. Somit können übertragene Entscheidungsbefugnisse Einzelner auch entzogen werden und jede Entscheidung ist grundsätzlich von jedem anfechtbar.

Das ganze System basiert auf Vertrauen statt auf Kontrolle. Je weniger Vertrauen in einem System herrscht umso mehr Kontrolle ist notwendig. Vertrauen ist die Basis für dieses System. Gleichzeitig generiert dieses System Vertrauen.

Idealerweise besteht soviel Vertrauen, dass jeder alles entscheiden kann, bzw. dass jeder soviel Weisheit besitzt, dass er weiß, was er allein entscheiden kann und wo es ratsam ist andere miteinzubeziehen. …

2. Mittragen

Zum anderen ist diese Qualität dadurch charakterisiert, dass die getroffenen Entscheidungen von allen mitgetragen werden. Dies bedeutet nicht, dass die Entscheidungen meiner Präferenz entsprechen. Ich kann eine andere Präferenz und sogar eine andere Meinung haben. Aber ich habe genug Vertrauen in die Entscheidungsträger oder den Entscheidungsprozess und bin bereit, die Entscheidung zu akzeptieren und mit umzusetzen.  Mit „mittragen“ ist nicht gemeint, innerlich zu resignieren und sich einem Diktat zu unterwerfen. Aus dem Erleben der Freiheit heraus, dass ich diese Entscheidung auch anfechten kann, wenn es mir wichtig erscheint, entscheide ich mich als Einzelner mit diesem Beschluss mitzugehen aus eigenen und selbstverantwortlichen Stücken, weil ich es letztendlich für den dienlichsten Weg halte, mit dieser Entscheidung mitzugehen. Wieder spielt hier Vertrauen eine wichtige Rolle. Vertraue ich der Gemeinschaft, ihren Prozessen, den Entscheidungsträgern nicht genug, gerate ich in Widerstand, der mich verlockt in den Kampf oder die Unterwerfung zu gehen. Erst mit Vertrauen darin, dass meine Bedürfnisse und meine Meinung zählt, kann ich das Ganze halten und auch von persönlichen Vorlieben und Meinungen ablassen, weil mir meine Intuition oder mein Verstand sagt, dass es dem Ganzen, mir und den Anderen, nicht dienen würde diese Entscheidung anzufechten oder sie passiv zu boykottieren.

 

3. das Erleben von Wirksamkeit und Einflussmöglichkeit

Konsensuale Entscheidungsprozesse beinhalten, dass das Individuum nicht dem Diktum der Anderen ausgeliefert ist. … ob dieses Diktum nun von einem Einzelnen (dem Chef) ausgesprochen wird oder von einer „demokratischen“ Mehrheit.

In einer konsensualen Entscheidungskultur ist am Relevantesten, dass alle, jede und jeder Einzelne, sich mächtig fühlt und das Erleben hat in allen Dinge eine Mitsprachemöglichkeit zu haben.

Hierbei geht es nicht um ein abstraktes Recht, das in Grundsätzen fixiert ist und theoretisch offengelegte Einflussmechanismen. Es geht um das tatsächliche Erleben von Wirksamkeit und Einflussmöglichkeit.

Denn das Erleben von Machtlosigkeit ist Gift für Vertrauen und Verbundenheit. … denn so ist die Spaltung zu erleben zwischen den Wählern und ihrer Regierung. Obwohl es eine „Demokratie“, eine Herrschaft des Volkes sein soll, erleben sich weite Teile der Bevölkerung als hilflos und als nicht mächtig Einfluss zu nehmen auf die politische Gestaltung.

Der Mensch, der weiß, dass er Einfluss nehmen kann, und im Vertrauen mit seinen Gemeinschaftsmitgliedern ist, kann seine Entscheidungsmacht gut delegieren an kompetente Personen des Vertrauens, so dass aufreibende Diskussionen, Machtkämpfe und Debatten reduziert werden.

 

Ausrichtung darauf, dass nichts getan wird, was wissentlich gegen den Willen der anderen Gemeinschaftsmitglieder geht.

In bestimmten Kontexten werden Einzelpersonen entscheiden und manchmal auch …

Vor allem wird es ganz sicher der Fall sein, dass Einzelpersonen ermächtigt sind in bestimmten Bereichen für die Gemeinschaft zu entscheiden,

… abgesehen davon, dass es intime Räume gibt …

Mehrheits …