Authentizität

„Als Gemeinschaft streben wir danach einen Raum zu gestalten, der es jedem Einzelnen leicht macht, mit sich selbst in Kontakt zu sein und das eigene Sein auszudrücken und zu leben.“

Um in der alltäglichen Gesellschaft zu überleben und zu funktionieren, lernten wir alle schnell uns Masken aufzusetzen. Masken beinhalten, das bestimmte Aspekte des eigenen Selbst, insbesondere bestimmte Gefühle, Gedanken oder Verhaltensweisen, nicht ausgedrückt werden. Teile unseres Selbst sind in bestimmten Kontexten unerwünscht.

Manche Teile von uns selbst, sind in allen Lebenskontexten unerwünscht und wir haben überhaupt keinen Raum für manche Aspekte. Meist ist es jedoch so, dass wir im Kontext unserer Familie und sehr guten Freunden mehr von uns ungehemmt ausdrücken als wir dies in der Öffentlichkeit oder im Beruf tun.

Soziale Normen, soziale Rollen bestimmen, was „erlaubt“ ist zu zeigen und was nicht. Meist geht es dabei nicht um „explizit definierte“ Regeln, sondern um implizite kulturelle Regeln. In keinem Arbeitsvertrag oder beruflichen Leitfäden steht, dass man auf Arbeit nicht weinen darf. Und doch wollen Menschen viel weniger auf Arbeit ihre Traurigkeit ausdrücken als daheim, wenn überhaupt.

Diese Normalität des Masken-Tragens und nur als Teil-Mensch sichtbar zu werden ist ein massiver Verlust an Ganzheit und Integralität.

Das Problem in der Thematik des Maskentrages ist nicht nur, dass Menschen ihre Gefühle nicht nur ausdrücken, sondern – meist um dies überhaupt erst bewältigen zu können – sie nicht zu fühlen. Menschen verlieren den Kontakt zu sich, verlieren an Ganzheit durch das Tragen dieser Rollen.

Es besteht ein Unterschied dazu, innerlich ganz mit sich in Kontakt zu sein und dann bewusst und zielführend zu entscheiden, ein bestimmtes Gefühl nicht auszudrücken, als habituell und unbewusst bestimmte Gefühle zu vermeiden.

Auch in meiner Arbeit als Psychotherapeut ist es mir sehr wichtig – was eher nicht dem berufsethischen Kanon entspricht – mich als ganzer Mensch, authentisch, verletzlich und auch transparent zu zeigen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass ich die ganze Zeit allles ausdrücke, was in mir lebendig ist. Das wäre schon aus Kapazitätengründe schwierig. Aber ich unterdrücke keinen Aspekt habituell und bin bereit das ganze Spektrum von Angst, Wut, Traurigkeit, Scham oder Schuld zu zeigen und glaube an den lebensdienlichen und heilsamen Aspekt für die Person, die ich gerade begleite. Ich treffe bewusste Entscheidungen, was ich wann und in welcher Form zeige. Und meine Haltung dabei ist weniger, dass ich es zeige, wenn ich glaube, dass es speziell nützlich ist.

Unsere Sehnsucht ist ein Ort, in denen es Menschen leicht fällt die Gesamtheit ihres Seins zu zeigen. Wir wollen deshalb bewusst sein über die systemischen und individuellen Aspekte, die authentisches Auftreten behindern, und diese transformieren.

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