Motivationale Klarheit

„Als Gemeinschaft streben wir danach, die Beweggründe und Absichten, die hinter unseren Strukturen und unserem Handeln stehen, bewusst, klar und transparent zu machen.“

 

Ich erlebe es als entfremdend und einschüchtern, wenn ich mit den expliziten Strukturen einer Organisation konfrontiert werde. Auch wenn mir der Sinn dieser Struktur einleuchtet, bleibt ein ungutes Gefühl von Ausgeliefertsein. Strukturen haben Macht. Auch wenn sie von Menschen begründet wurden, entwickeln sie schnell ein Eigenleben. Dann stehen sie plötzlich dar und man kann mit ihnen nicht einfach in einen menschlichen Dialog gehen, weil es selten der Fall ist, dass die Menschen, die es verabschiedet haben, oder zumindest die Menschen, die die Veränderungsmacht haben, direkt anwesend sein.

Gerade als Neuling stößt man sich schnell an bestehenden Strukturen, weil sie einem fremd sind und man nicht Teil des Entwicklungsprozess war. Die Organisationsmitglieder dagegen stoßen sich schnell an den Neulingen, die alles neu verändern wollen, ohne zu wissen, was für aufwandreiche Prozesse hinter der Verabschiedung dieser Strukturen liegen und ohne die Komplexität der verschiedenen Befindlichkeiten und Bedürfnisse, die versucht wurden zu integrieren, überschauen zu können.

Dies ist ein Aspekt, der Veränderung behindert. Die Alten sind Veränderungsprozesse müde und die Neuen unzufrieden darüber, sich nicht einbringen zu können.

Ein explizit machen, des Integrationsstandes, welche Wünsche, Werte, Bedürfnisse durch diese Struktur erfüllt werden sollen, kann hier Abhilfe verschaffen.

Es hilft Neulingen den Purpose zu erkennen, welche Aspekte berücksichtigt worden und kann die eigenen Ideen damit abgleichen. Außerdem schafft es Nähe zu der bestehenden Struktur. So wie wir uns Menschen näher fühlen, wenn wir ihre Beweggründe verstehen, so ist dies auch mit systemischen Strukturen.

Explizite Strukturen können Orientierung, Ausrichtung geben und dienlich sein für andere Bedürfnisse und Werte.

Explizite Strukturen haben in meinem Verständnis jedoch auch immer die Tendenz einzuengen und im Weg von Spontanität und Freiheit zu stehen.

In der Gestaltung von gemeinschaftlichen Strukturen orientieren wir uns an dem Prinzip: „So viel Struktur wie notwendig, so wenig Struktur wie möglich.“

Wir wollen bezüglich der Strukturen, die wir gemeinschaftlich beschließen, bewusst halten, aus welchem Grund (im Dienste welcher Bedürfnisse und Werte) wir diese Struktur eingeführt haben. Jedes systemische Element ist die Folge von kollektivem menschlichen Handeln und wie jedes individuelle Handeln ist aus der Motivation geboren grundlegende menschliche Bedürfnisse zu erfüllen.

Diese Motivation im Gestaltungsprozess bewusst zu halten und jede Manifestation mit einer transparenten Festhaltung dieser Gründe zu versehen, macht Evaluation und Verbesserungsprozesse leichter und lädt jeden ein zum Mitgestalter zu werden.

 

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