gemeinschaftliches Wirtschaften

Dieser Blogartikel hatte die Zielsetzung, anlässlich der Initiation des Projektes “PSIAM 2.0″ (gemeinschaftliche Neuerfindung der PSIAM-Heilpraktikerschule), meine Vision von „gemeinschaftlichen Wirtschaften“ darzustellen.

Das Thema „Gemeinschaft“ ist für mich mit einer tiefliegenden Leidenschaft verbunden. Ich spreche – etwas pathetisch formuliert – manchmal von meiner „Berufung“, um auszudrücken wie zentral dieses Thema in meinem Leben ist. Seit ziemlich genau 9 Jahren bin ich von einer Vision infiziert, die mir Hoffnung für die Welt gibt und meinem Leben Feuer und Ausrichtung. In der damaligen Zeit von tiefer Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Lebensmüdigkeit hat mich diese Vision wieder zum Leben erweckt.

Ich bemühe mich nun schon seit einigen Tagen darum, einen Artikel zu schreiben, der obiger Intention entspricht. Ich habe einiges zu Papier gebracht und war letztendlich mit allem sehr unzufrieden. Ich bekam es nicht hin, einen Artikel zu schreiben, der meinen Vorstellungen entspricht.

Es fällt mir schwer, die Essenz meiner Vision in der Kürze darzustellen. Neben meiner Leidenschaft habe ich mittlerweile einiges an Wissen und Erfahrung zu dem Thema angesammelt, was das Thema sehr komplex für mich macht. Zudem bin ich fixiert darauf verstanden zu werden und kann es schlecht ertragen, etwas zu schreiben, von dem ich glaube, dass es nicht transportiert, was ich ausdrücken möchte. Mein Anspruch das Wesentliche über ein für mich komplexes und leidenschaftliches Thema verständlich darzustellen, hat mich überfordert.

Daher habe ich nun einen anderen Zugang für diesen Artikel gewählt. Ich habe mich entschieden, den Anspruch auf Vollständigkeit und Überblick loszulassen. Und ich habe mich dazu entschieden, mich mit meinem schwierigen Prozess authentisch zu zeigen. Im Laufe des Schildern meines Prozesses tat sich ein Teilthema auf, das ich vertiefte. Ich entschied mich darauf zu vertrauen, dass dies gut so ist.

Mich nämlich authentisch und verletzlich zu zeigen, ist für mich bereits ein Handeln im Sinne dessen, was für mich Gemeinschaft ausmacht. Denn die Gemeinschaft, die ich ersehne, basiert auf Menschen, die ganz da sind. … die als Menschen da sind und nicht nur als Inhaber einer Rolle in einer Organisation oder als Erbringer einer bestimmten Leistung (z.B. das Abliefern einer Beschreibung über die Merkmale und das Potential von gemeinschaftlichen Wirtschaften). … in einem Raum, der das Vertrauen fördert, man selbst in ganzem Umfang sein zu dürfen. … wo sich Menschen auf persönlicher Ebene begegnen und nicht vor allem über Rollen (z.B. die Rolle, Experte für das Thema Gemeinschaft zu sein) inklusive der zugehörigen Verhaltens-Skripte (z.B. treten Experten bezüglich ihres Fachgebietes selbstbewusst und kompetent auf).

Sich solch eine authentische und persönliche Ebene der Begegnung in einem Kontext einer Wohngemeinschaft oder in einem Begegnungskreis vorzustellen, fällt den meisten Menschen wahrscheinlich leichter als sich diese Ebene im Arbeitsleben und in der Wirtschaft vorzustellen.

Geht es beim Arbeiten nicht um Effizienz und Zielerreichung? Kann sich ein Unternehmen es leisten auf die Befindlichkeiten der Arbeiter Rücksicht zu nehmen? Würde das nicht den Erfolg und das Funktionieren des Unternehmens gefährden?

Ich kann diese Fragen und den damit verbundenen Erfahrungsstandpunkt gut nachvollziehen. Und ich glaube, dass auch ein Wirtschaftsunternehmen letztendlich erfolgreicher arbeiten wird, wenn es diese Ebene integriert.

Wenn man unter „Erfolg“ ausschließlich monetären Erfolg und Wachstum auf dem heutigen Markt versteht, dann könnte ein traditionelles Unternehmen für eine gewisse Zeit vielleicht „erfolgreicher“ sein. Wenn man aber das Wohlergehen aller Mitarbeiter (auch der Chefs) und das Wohlergehen allen Lebens, der Pflanzen, Tiere und der restlichen Menschen berücksichtigt, dann habe ich die starke Überzeugung, dass diese Form des gemeinschaftlichen Wirtschaftens, wie ich sie mir erträume, erfolgreicher sein wird.

Dass die Vorstellung von Arbeit eher nicht mit dem Bild von nährenden vertrauten Beziehungen verbunden ist, in denen man sich verletzlich und authentisch zeigen kann, stellt für mich einen Aspekt eines lebens-entfremdeten Verständnisses von Arbeit dar.

Arbeit wird häufig als ein notwendige Übel verstanden, mit dem sich Freizeit verdient wird, in der man dann nach Erfüllung suchen kann, u.a. in dem Pflegen von nährenden authentischen sozialen Kontakten.

Dieses Verständnis von Arbeit erscheint mir als ein wesentlicher aufrechterhaltender Bestandteil des System Kapitalismus zu sein, inklusive all der zerstörerischen Konsequenzen des Kapitalismus auf diese Welt.

Ich möchte nicht akzeptieren, dass ich eine Arbeit machen muss, die nicht in vollem Umfang meiner Integrität und Leidenschaft entspringt, weil ich nun mal Geld verdienen muss. Und ich möchte nicht, dass irgendwer dies tut. Ich möchte nicht erpressbar sein. Ich möchte mich nicht verstellen müssen. … eine Rolle annehmen und nicht ganz ich sein, um zu funktionieren, um meinen Job zu erledigen. Diese Form der Selbstentfremdung möchte ich nicht als alternativlose Realität akzeptieren.

Ich möchte alternative Formen des Arbeitens und Wirtschaftens mitgestalten, die diese Trennung zwischen Arbeit als notwendigem Übel und Freizeit als Zeit des erfüllten Lebens überwinden.

Es ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis produktiv zu gestalten und durch das eigene Wirken das Leben und das Wohlergehen anderer zu unterstützen. Ich möchte, dass Arbeit Bedürfnisse befriedigt, nach Sinn, nach Beitrag, nach kreativem Gestalten und eben auch als ein erfüllendes soziales Kooperieren.

Und unter dem Schlagwort „gemeinschaftliches Wirtschaften“ verstehe ich einen Ansatz, eine Methode, um diese lebensdienlichen bedürfnisorientierten Formen des Arbeitens und Wirtschaften zu gestalten, die individuell erfüllend ist und außerdem einen Beitrag zu einer neuen nachhaltigen Kultur liefert.

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